GRÜNDERJAHRE
Der SVN kann mittlerweile auf eine über 80-jährige Geschichte zurückblicken. Entstanden ist der Verein in der Nachkriegszeit während der französischen Besatzung.
Als der Fußball im Pützbachtal erwachte - Von den Anfängen bis in die 70er Jahre
Dieser Text stammt aus der Festzeitschrift zum 60-jährigen Vereinsjubiläum aus dem Jahr 2006.
Verfasser: Klaus Kees
In der Festschrift zum 40-jährigen Jubiläum des Sportvereins Neunkirchen hat unser inzwischen bereits verstorbener Sportsfreund Nico Sastges sehr anschaulich die schwierigen und aus heutiger Sicht kaum mehr vorstellbaren Bedingungen geschildert, unter denen sich nach dem Desaster des Krieges die Rückkehr wieder zu etwas mehr Lebensfreude in sportlicher und kultureller Gemeinsamkeit vollzog.
Vor allem die dörfliche Jugend hungerte jedoch danach, dem nachwirkenden Trauma der Geschehnisse und der vor allem in der unmittelbaren Nachkriegszeit allgegenwärtigen Not zumindest von Zeit zu Zeit zu entrinnen. Im kollektiven Spiel mit dem damals noch nicht immer so runden Leder fand diese Sehnsucht bei vielen eine fruchtbare Erfüllung. So auch in Neunkirchen, wo bereits 1946 mit dem Zusammenschluss vieler Gleichgesinnter zu einem Sportverein die Grundlage geschaffen wurde, die wiedergewonnene Fußballbegeisterung auch im sportlichen Wettstreit gegen andere Mannschaften auszuleben.
Heute, 80 Jahre danach, wollen wir mit diesem Artikel noch einmal zurückblicken und Zeitzeugen zu Wort kommen lassen. Welche Erinnerungen verbinden sie noch mit dem „Damals“, mit den Anfängen unseres „SV“ und der Zeit danach.
Von Anfang an als Mitglied dabei war auch der im Gründungsjahr erst 15-jährige Paul Blum. Obwohl selbst kein aktiver Fußballer, war es für ihn als Dorfjugendlicher selbstverständlich, seine kickenden Kameraden als Zuschauer zu begleiten. Er war auch dabei und half mit, als man in mühevoller Handarbeit daran ging, auf dem im Volkmund unter der Bezeichnung „Op d’r Jelesch“ bekannten Gelände des Sprinkenberges einen Sportplatz zu errichten. Von „jelesch“, also gleich oder eben, konnte aber kaum die Rede sein, und so bestand eine Hauptaufgabe darin, mit Hacke und Schaufel die höhenmäßigen Unterschiede auszugleichen. Zum Transport des Erdmaterials bediente man sich der seinerzeit in den Steinbrüchen eingesetzten „Rollwäntjen“, also schüsselförmigen Loren, die auf kleinen Schienengleisen bewegt wurden. Doch trotz dieser technischen Hilfe war die Arbeit sehr mühsam und ging nur wenig voran. Der steinige Untergrund stellte zu große Anforderungen an die Helfer, so dass es für längere Zeit zur Einstellung des so hoffnungsvoll begonnenen Projekts kam. Erst der Einsatz einer Raupe Anfang der 50er Jahre führte zu einer Wiederaufnahme der Arbeiten und brachte entscheidende Fortschritte.
Der Sportplatz war nun bespielbar, hatte aber den kleinen, naturbedingten Nachteil, dass das ihn umgebende Gelände zu seiner östlichen und vor allem südlichen Seite zum Teil steil und unübersichtlich abfiel. Das hatte des Öfteren eine längere Spielunterbrechung zur Folge, weil der einzige Spielball von den Akteuren gesucht werden musste. Es ist nicht bekannt, ob diese Geländesituation auch zu taktischen Vorgehensweisen provozierte, sei es, um den gegnerischen Spielfluss zu unterbrechen oder die Kräfte des Gegners durch die anstrengende Ballsuche zu verschleißen.
Das Spielobjekt selbst bestand aus dem ledernen Mantel und einer Gummiblase. Es kam vor, dass ein Dorn oder sonstiger spitzer Gegenstand den Ball durchdrang und diesem sprichwörtlich die Luft ausging. Dann musste die Lochstelle im Gummi notdürftig mit Fahrradflickzeug wieder abgedichtet werden. Möglich war dies, weil das Leder an einer Stelle mit Riemen verschnürt war und das platte Innenteil dort herausgenommen werden konnte. Allerdings hatte diese praktische Lösung ein für die Spieler mitunter unangenehmes Handicap. Beim Kopfballspiel konnte nämlich der intensive Kontakt mit diesem geschnürten bzw. verknoteten Teil des Balles zu einer schmerzlichen Erfahrung werden, zumal, wenn das Leder bei nasser Witterung wassergetränkt und damit viel schwerer war als sonst.
Als ehemaligem Aktiven sind auch Alois Scholtes diese Tücken noch in vertrauter Erinnerung. Es waren dies, wie er rückblickend feststellt, jedoch nicht die größten Probleme der Anfang der 50er Jahre fußballspielenden Jugend.
Den freizeitlichen Aktivitäten waren enge Grenzen gesetzt, wartete zu Hause doch die Arbeit in der Landwirtschaft, und auch die Kirche forderte ihr Recht. Konflikte blieben da nicht aus, so wie im Jahre 1954, als Alois sich mit seinen Sportfreunden zu einem Treffen gegen die Jugendlichen aus Darscheid verabredet hatte. Mit dem Fahrrad machte man sich auf, um sich nach dem dörflichen Kräftemessen unverzüglich wieder auf den Heimweg zu machen. Dennoch schaffte man es nicht mehr, zur vom Pfarrer in bester Fußballzeit angesetzten Christenlehre pünktlich zu erscheinen. Entsprechend fiel die anschließende „Predigt“ des Pastors aus, der damals eine hohe Autorität besaß und dessen „Wort zum Sonntag“ den jungen „Sündern“ nachhaltig in Erinnerung blieb.
Zehn Jahre später erlebten einige dieser nun gereift in der Seniorenmannschaft spielenden Akteure eine Sternstunde in ihrer damaligen Fußballkarriere. Im Lokalderby musste man gegen den damaligen Aufstiegsfavoriten aus Daun antreten, bei dem Spielergrößen wie Wolfgang Görlich, Friedhelm Wißkirchen und Günter Brandl aufliefen. Um Torwart Jakob Kees, der seine aktive Laufbahn eigentlich schon beendet hatte, formierte Alois Scholtes als Spielführer folgendes Team: Günter Kremer und Johann Hennen (Dixen Hennes) in der Verteidigung, Mittelläufer Hermann Schend, rechter Läufer Theo Kirwel, linker Läufer Franz Dombeck, Rechtsaußen Josef Hennen (Dixen Jusep), halbrechts Adolf Neumann, Mittelstürmer Werner Schmitz, halblinks Alois Scholtes und Linksaußen Helmut Ewertz. In Kenntnis der Stärke des Gegners wurde dieses seinerzeit übliche „Tannenbaumsystem“ mit der Variante „zurückhängender Halbstürmer“ taktisch etwas geändert. Mit Erfolg. Der Rivale aus der Kreisstadt kam mit dieser Umstellung nicht zurecht und wurde im eigenen Stadion mit 3:2 besiegt.
Weniger von sportlicher als von kameradschaftlicher Bedeutung war dagegen ein Freundschaftsaustausch mit der gleichnamigen Partnergemeinde Neunkirchen im Westerwald. Seinerzeit mit von der Partie war auch „Schoster Pitter“, der in seiner ihm eigenen listigen Art einen Elfmeter verwandelte, indem er den Anlauf geschickt verzögerte, bis der Torhüter in einer Ecke lag, um den Ball dann ganz gemächlich in die andere Ecke zu schieben.
Ansonsten hatte Peter Burger nicht viel mit der Mühe des Laufens im Sinn, ganz im Gegensatz zu seinen Nachbarn Alois Scholtes und Hermann Schend. Sie stehen beispielhaft nicht nur für den Fußball der 50er und 60er Jahre in Neunkirchen und Steinborn, sondern auch für die Leichtathletik. Ganz im Sinn der Gründungsphilosophie der Männer der ersten Stunde, die nicht nur den Fußball, sondern auch andere sportliche Betätigungen innerhalb des Vereins ermöglichen wollten.
Wie bereits in der Chronik zum 40-jährigen Vereinsbestehen erwähnt, hatte das schon 1946 aufgenommene Lauftraining guten Zuspruch und bereitete den Weg zu mancherlei Erfolgen auf Kreisebene. Alois gehörte gewissermaßen schon der zweiten Läufergeneration an, die auch bereits auf der Stadionbahn ihre Wettkämpfe austrug. So errang er den Kreismeistertitel 1960 über 3000 Meter im alten Wehrbüsch-Stadion Daun, dessen Oval damals noch 374 Meter maß, in einer Zeit von 10.09 Minuten. Unvergessen bleibt ihm auch ein Vergleichskampf mit den Kreisen Cochem, Bernkastel und Wittlich, den er gemeinsam mit Fritz Basten für den Kreis Daun über 5000 Meter bestritt. Seine damals gelaufene Zeit von 17.34 Min. bedeutete Kreisbestleistung und wurde erst von dem bekannten Läufertrainer Heinz Reifferscheid unterboten.
Ein wesentliches Kapitel innerhalb des Vereinslebens nimmt die Nachwuchsförderung ein. Ihre Bedeutung wächst in dem Maß, in dem es für die Vereine schwieriger wird, junge Spieler in der Konkurrenz zu vielfältigen anderen Angeboten an sich zu binden. Die aktuelle Situation könnte man im positiven Sinne als die Einlösung eines Generationenvertrages beschreiben, denn es sind derzeit sechs ehemalige Aktive unserer 1. Mannschaft, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen als Trainer an die Jüngeren weitergeben.
Von einer solch komfortablen Betreuerlage war man Mitte der 60er Jahre weit entfernt, als sich Jakob Kees aus Neunkirchen auch eher unfreiwillig damit konfrontiert sah, das Fähnlein der Jugend hochzuhalten. Sein ältester Sohn Klaus spielte in der D-Jugend (der damals jüngsten Jugendklasse), die von Lehrer Adolf Annen betreut und trainiert wurde. Mit der Schließung der Grundschule Waldkönigen und der Versetzung von Lehrer Annen hatte zwangsläufig auch dessen Engagement in der Fußballjugend ein Ende. Ein Nachfolger war schwer zu finden, denn zu jener Zeit galt die samstägliche Hinwendung noch in den meisten Häusern der Arbeit im landwirtschaftlichen Nebenerwerb. Hinzu kam, dass auch der Grad der Motorisierung weit geringer war als heute.
„Köbbes“ war es schließlich, der sich auf Drängen von Nikla Meyer bereitfand, in die Bresche zu springen. Auch wenn auf ihn nicht die sprichwörtliche Bezeichnung vom Bauernopfer zutraf (er betrieb keine Viehwirtschaft), so konnte auch er sich diese „Freizeitaufgabe“ eigentlich gar nicht leisten. Das Wochenende in der Firma begann damals erst am Samstagmittag. Um so kostbarer war die Zeit des freien Nachmittags, um sich für seine junge Familie mit drei Kindern einen wichtigen Zusatzverdienst zu ermöglichen. Doch wie es auch heute oft ist: Einer musste es ja machen! Und so fiel ihm vor allem die Aufgabe zu, die Fahrten zu den Auswärtsspielen zu organisieren. Das kam oft einer Bittfahrt durch die Dörfer des Pützbachtals gleich, weil kaum jemand die Zeit hatte, sich als Fahrer zur Verfügung zu stellen und der eigene NSU-Prinz nun mal nicht ausreichte.
Eine andere Schwierigkeit war, die eigene Samstagsplanung zu organisieren. So stand eines Sonnabends eine Hofpflasterung in Niederstadtfeld an. Gleichwohl verlangte auch ein Jugendspiel Jakobs Anwesenheit. Er nahm deshalb eine vorübergehende Auszeit, um danach bis spät abends das Versäumte wieder aufzuarbeiten. Den Anlass seines Fehlens verschwieg er seinem Mithelfer jedoch wohlweislich. Dieser wäre wohl keinesfalls bereit gewesen, sich nochmals zum Arbeitseinsatz einzufinden, wenn er um den wahren Grund der Unterbrechung gewusst hätte.
Gewissermaßen ein Bindeglied zwischen dem Sportverein von früher und dem von heute ist der amtierende Vorsitzende Hermann Hein. Nicht erst seit der Übernahme seines jetzigen Amtes im Jahre 1989. Seither steht sein Name für Funktion und Verantwortung im Verein. Bereits Ende der 50er Jahre wählte man ihn zum Geschäftsführer, aus seiner Sicht logische Konsequenz dessen, dass er über die zu jener Zeit notwendigen Qualifikationen für dieses Amt verfügte. Geschäftsführer oder Schriftführer, wie man es damals nannte, konnte nur werden, wer Schreibmaschine schreiben konnte und über eine solche verfügte oder Zugang zu einer solchen hatte. Eine seiner wichtigsten Aufgaben bestand im Tippen der Mannschaftsaufstellung. In der Regel erhielt er die Informationen, wer am nächsten Sonntag auf welcher Position spielen sollte, am Freitagabend auf einem handgeschriebenen Zettel. Am Samstag, der in diesen Jahren noch ein Arbeitstag war, schrieb er die Mannschaftsaufstellung dann in „Reinschrift“ in seiner Firma. Das geschah entweder heimlich oder nach getanem Tagwerk. Wenn dies auch, wie Hermann im Rückblick einräumt, oft sehr schwierig war, und Tippfehler bedeuteten, dass wieder von vorne begonnen werden musste, „irgendwie“ hat es doch immer geklappt.
Die sauber getippte Aufstellung wurde dann am Sonntagmorgen an das Scheunentor von „Heys“, der früheren Gastwirtschaft Hey in Neunkirchen, geheftet. Diese Art der „öffentlichen Bekanntgabe“ der Mannschaftsaufstellung wurde bis Anfang der 70er Jahre praktiziert. Viele Kirchgänger, und das ist wörtlich zu nehmen, weil damals das Hochamt noch von den meisten Gemeindemitgliedern besucht wurde, wussten dann oft schon vor den Spielern selbst, wer nachmittags spielen sollte.
Noch früher zurück, nämlich in die Mitte der 50er Jahre, reicht Hermann Heins Tätigkeit als Karteiführer in Diensten von Johann Meyer, der damals noch Schatzmeister oder Kassenwart des SV war. Dieser, mit den Feinheiten einer funktionierenden Buchführung aufgrund seines Berufes als Sparkassenangestellter bestens vertraut, hatte eine Kartei angelegt, in der alle Mitglieder verzeichnet waren. Zu jedem Mitglied gehörte ein eigenes Kärtchen, auf dem säuberlich vermerkt war: Name und Vorname des Mitglieds, Geburts- und Eintrittsdatum in den Verein und natürlich der zu zahlende Betrag.
Auf Bitte von Johann Meyer übernahm es Hermann Hein, die Kartei pflichtbewusst zu führen und auf den Karten zu vermerken, wann wer wie viel an Beitrag gezahlt hatte. Dazu wertete er die Listen der Kassierer aus und übertrug die Zahlbeträge in die Karteikarten. Als Handelsschüler konnte er auf diese Weise seine in der Theorie gesammelten Erfahrungen mit Soll und Haben praktisch ergänzen.
Schwerer hatten es dagegen die Kassierer. Jeden Sonntag nach dem Hochamt liefen sie den säumigen Zahlern hinterher. Ihre Taktik war, die offenen Beitragsgelder einzutreiben, bevor sie vielleicht nebenan beim Frühschoppen im Gasthaus Hey einer anderen Zweckbestimmung zugeführt wurden. Im Übrigen verfuhr man mit Zahlungsrückständlern ziemlich rigoros. Wer in der Beitragsliste mit drei Querstrichen vermerkt war, wurde als Mitglied gestrichen. Zahlte aber jemand seine Beiträge irgendwann nach, nahm man ihn wieder in den Verein auf.
Unter dem Namen „Orns Josef“ ist er heute wohl nur noch den Älteren bekannt. Vielleicht noch mehr in Erinnerung ist, dass der heutige Steinborner Bürger Josef Blum in den 70er Jahren die Führungsriege des SV verstärkte und neue Akzente setzte. Wenngleich stets interessierter Zuschauer sportlicher Ereignisse im Pützbachtal, war ihm die Würde eines Sportfunktionärs nicht unbedingt in die Wiege gelegt. So kam bei der Generalversammlung 1971 seine Wahl zum Geschäftsführer auch für ihn selbst überraschend. Für (fast) alle Beteiligten stand eigentlich fest, dass sich das Vorstandsgespann Günter Scheid und Nikla Meyer wieder für eine weitere Wahlperiode zur Verfügung stellen würde. Josef Blum, der sich gerade erst selbständig gemacht hatte und nun ebenfalls als Kandidat vorgeschlagen wurde, bekam denn auch von Adolf Neumann die tröstliche Versicherung: „Der Nikla hat seit 20 Jahren noch nie nein gesagt, da brauchst du keine Angst zu haben.“ Wie man sich täuschen kann!
Josef hatte nach eigenem Verständnis vom Fußball überhaupt keine Ahnung. Deshalb habe er versucht, „nichts weiter zu tun, als die Kameradschaft zu fördern und über seine Arbeit im Stadtrat zu sehen, dass der Sportplatz verbessert werde“. Durch die Unebenheiten des Platzes hatte die Zahl der Verletzungen unverhältnismäßig zugenommen. Auf seine Initiative trat der Stadtrat zu einer Besichtigung an, bei welcher der himmlische Zufall zu Hilfe kam: Ein Mitglied dieses Gremiums trat bei der Begehung in einen Maulwurfshügel hinein und zog sich eine Sprunggelenksverletzung zu. Kein anderes Argument hätte die erhöhte Unfallgefahr besser begründen können. In der Konkurrenz mit den Nachbarvereinen Daun und Waldkönigen, die ebenfalls um Zuschüsse für den Ausbau ihrer Sportfelder bemüht waren, waren zudem die guten Beziehungen des neuen Geschäftsführers zum Sportkreisvorsitzenden Peter Tourmo, der mit ihm in der gleichen Fraktion vertreten war, von Vorteil. Tourmo besaß wiederum einen guten Draht zum Sportbund, der über die Priorität der Vorhaben und damit die Verteilung der Zuschüsse entschied.
Die bereits erwähnte Praxis, die Mannschaftsaufstellung zu veröffentlichen, wurde auch noch von Josef fortgeführt. Mittlerweile hatte der Sportverein unter anderem zu diesem Zweck neben dem Sirenenknopf an der damaligen Raiffeisenkasse einen Aushangkasten angebracht. „Blacky“ (Heinz Weiler) überbrachte ihm die Aufstellung in alter Tradition zur Reinschrift mit der Schreibmaschine, und wenn Josef es für erforderlich hielt, ergänzte er diese um eigene Kommentare. Und von denen, es wurde bereits erwähnt, nahmen die Kirchgänger als erste Kenntnis. So berichtete ihm einst ein Spielervater, dass sein Sohn samstags vom Pappelhof nach Hause gekommen und auf allen Vieren die Treppe hochgeklettert sei. In diesem Zustand könne man doch kein Fußball spielen. Josef war der gleichen Auffassung und tat im nächsten Aushang kund, dass er mit der Leistung der „Stubbibolzer“ nicht zufrieden sei. Er appellierte daran, mit einer anderen Einstellung und Leistung anzutreten, um das Ziel eines Aufstiegs in die höhere Klasse zu erreichen.
Anfang der 70er Jahre konnte von einem geregelten Training, wie es heute üblich ist, noch keine Rede sein. Den Anstoß hierzu gaben die Kontakte von Allianz-Josef, wie man ihn landläufig nannte, zu dem Bundeswehrangehörigen Josef Reiter aus Daun. Dieser sehr angenehme Zeitgenosse kam von der Tischtennisabteilung, hatte allerdings vom Fußballspiel keine Ahnung. Er übernahm es jedoch, die Kondition der Spieler zu verbessern und war so der erste offizielle Seniorentrainer beim SV Neunkirchen/Steinborn.
Ein sichtbares Zeichen dafür, welche Entwicklung der Sportverein genommen hat, ist das heutige Vereinsgebäude. Vor mehr als 30 Jahren stand an etwa gleicher Stelle ein reiner Zweckbau mit lediglich einer kleinen Zelle für den Schiedsrichter und zwei Umkleideräumen für die Mannschaften. Ein Verkaufsraum war nicht vorhanden, wie wirtschaftliche Betätigungen am Sportplatz ohnehin noch kein Thema waren. Josef Blum sah hierin jedoch einen Weg, für die steigenden Ausgaben einen Ausgleich zu schaffen. Also initiierte er vor dem Umkleidegebäude einen Flaschenverkauf, aus dessen Erlös zum Beispiel zumindest die Aufwendungen für den Schiedsrichter bestritten werden konnten.
1971 stand die Jubiläumsfeier zum 25-jährige Vereinsbestehen an und auch hierbei profitierte der SV von den guten Kontakten seines Geschäftsführers. Josef war Mitbegründer der Fallschirmsportgruppe Daun, die er zur Jubiläumsveranstaltung verpflichtete. Mehr als 1000 Zuschauer waren Zeuge dieser damals noch neuen sportlichen Vorführung. Hierbei wirkte auch ein amerikanischer Soldat mit, der wie seine Springerkollegen während des Aufstiegs mit dem Motorflugzeug in etwa 4000 Metern Höhe über das Landungsziel zwischen Neunkirchen und Steinborn informiert wurde. Von unten verfolgten dann Verantwortliche und Zuschauer fasziniert, wie die Springer kleinen Punkten gleich ihrem Lufttaxi entstiegen und im freien Fall beziehungsweise am Fallschirm ihrem Ziel entgegensteuerten. Nur einer, der Amerikaner, trieb weit in nördliche Richtung ab. Dieser hatte sich von seiner luftigen Perspektive für den Sportplatz zwischen Dockweiler und Dreis als Zielobjekt entschieden. Durch Rauchzeichen machte man ihn seinen Irrtum aufmerksam, doch seine Versuche zur Kurskorrektur konnten eine unsanfte Landung in den Buchen des Asseberges nicht verhindern. Der Feuerwehr war er vorbehalten, den Mann schließlich aus seiner misslichen Lage zu befreien.
Zur gleichen Veranstaltung waren auch verschiedene Ehrengäste, darunter Landrat Martin Urbanus, geladen. Wegen des zu erwartenden hohen Besucheraufkommens hatte man an der Zufahrt zum Sportplatz eine Kontrollstelle eingerichtet, an der auch der Eintritt erhoben wurde. Als nun der von Fahrer Helmut Mathey gesteuerte Dienstwagen erschien, wurde der hinten im Wagen sitzende höchste Vertreter des Kreises von Kassierer Leo Schäfer freundlich aufgefordert, seinen Eintritt zu bezahlen. Schließlich lautete seine Weisung lautete: Von jedem Besucher wird Eintritt erhoben. Der Landrat war ob dieses Ansinnens sehr entrüstet und es kam zu folgendem Wortwechsel:
Frage Urbanus: Kennen Sie mich denn nicht?
Antwort Leo: Nee.
Frage Urbanus: Kennen Sie mich denn wirklich nicht?
Antwort Leo: Nee.
Herr Urbanus: Ich bin der Landrat von Daun.
Antwort Leo: Und ich bin Leo Schäfer, Chemiefacharbeiter von Leverkusen.
Die hohe Zahl der Besucher und strahlender Sonnenschein führten an diesem Festsonntag zu einem hohen Getränkeverbrauch. Der Vorrat an gekühlten Getränken im Pavillon war infolge dessen schnell aufgebraucht, so dass der Flaschenverkauf vom Lkw erfolgen musste. Hierbei half eine mit Josef Blum befreundete Begleitung der Fallschirmsportgruppe Daun aus, deren Oberbekleidung der sehr warmen Witterung angepasst war und tief blicken ließ, wenn sie sich zum Greifen der Flaschen bücken musste. Das entging insbesondere den älteren Zuschauern aus Neunkirchen nicht. Auffallend häufig beauftragten sie kleine Jungs, Getränke zu kaufen, jedoch nur bei bestimmter Stelle. Auch Schiedsrichter und Turnierleiter Heckelbacher, dem weiblichen Geschlecht sehr hold, wie unsere Damenmannschaft unter Sophie Kremer erleben durfte, bekam Stielaugen und vergaß darüber seine Ehefrau, die im Gogomobil auf eine kühlende Erfrischung wartete. Man munkelt, dass er mehr Geld für Getränke verbrauchte, als er an Turniergeld erhielt.
Dank Josef Blum fanden auch die Kicker der Thekenmannschaft Leyenspieler, die bei „Dunkels Marie“ ihren Treffpunkt hatten, beim SV eine Heimat, die ihnen beim TUS vorenthalten worden war. Um Versicherungsschutz zu erhalten, mussten sie einem Sportverein angeschlossen sein und dies wurde ihnen hier gegen eine Beitragsermäßigung ermöglicht. Von dieser Gemeinschaft profitierten beide Seiten, sowohl im sportlichen als auch kameradschaftlichen Sinne. Bei den Spielen der Leyenspieler wirkten oft auch Spieler unserer 1. und 2. Mannschaft mit. Umgekehrt erhielt die 1. Mannschaft mit Rainer Polatschek auch eine Verstärkung aus den Reihen der Thekenmannschaft.
Vielleicht nur noch bei wenigen in Erinnerung ist, dass der SV Neunkirchen Steinborn von Anbeginn auch die 1973 ins Leben gerufene Initiative „Sportjugend des Kreises Eifel hilft körperlich und geistig behinderten Jugendlichen“ unterstützt hat. Ein Presseartikel im TV vom 1.8.1973 berichtete von drei Freundschaftsspielen, die der SV am Wochenende zugunsten dieser Einrichtung veranstaltet hat. Zur Wahrung der Chronistenpflicht sollen die Ergebnisse nicht vorenthalten werden: Die AH des SV Wallenborn besiegten die Mannschaft des SV N/St. mit 6:1, die 1. Mannschaft spielte gegen den SV Neroth 4:4 und im anschließenden Damenfußballspiel gewannen unsere Fußballerinnen gegen den SV Prüm mit 3:1.
Die 70er und 80er Jahre standen noch nicht so sehr unter dem Motto „Alles ist in Bewegung“ wie heute. Es waren im Wesentlichen die Fußballer und die Läufer beziehungsweise Leichtathleten, die vom sportlichen Angebot des Vereins profitierten. Um auch den inaktiven Mitgliedern etwas anbieten zu können, wurden in jenen Jahren die Maiwanderung mit geselligem Abschluss ins Leben gerufen. Und sie kam gut an. In einer Einladung hieß es: „Da in dieser gefährlichen Jahreszeit (Mai) die Gräser aus der Erde schießen und die Bäume ausschlagen, wollen wir uns am Ende der Wanderung bei unseren Kameraden vom Schießsportverein zu einem gemütlichen Beisammensein verschanzen“.
Seinem Anliegen entsprechend, die Kameradschaft zu fördern, organisierte Josef Blum Anfang der 70er Jahre auch Feste für die ehrenamtlichen Helfer des Vereins. Deren Leistungen kommen nicht immer an das Licht der Öffentlichkeit, mitunter auch, weil sie es als persönliche Sache ansehen und sie als Freund des Vereins im Hintergrund bleiben wollen. Beispiele hierfür waren sicherlich der bis zu seinem Tod ein Freund der Jugend gebliebene Johann Hey, genannt „Schang Hey“, aber auch Leo Jehnen, der als Jugendleiter und -betreuer manche Ausgabe für seine Schützlinge aus eigener Tasche geleistet hat.




