Die goldenen Jahre
Hier folgt die Erzählung der Geschichte des SVN beginnend in den 80er Jahren, welche mit dem Aufstieg in die Bezirksliga gekrönt wurde.
Vom stetigen Aufstieg bis in die Bezirksliga (1980 bis 1992)
Dieser Text stammt aus der Festzeitschrift zum 60-jährigen Vereinsjubiläum aus dem Jahr 2006.
Verfasser: Harald Leyer
Anfang der 80er Jahre wurde beim SV Neunkirchen-Steinborn die bis dahin gute Fußballmannschaft nochmals durch gezieltes Training verbessert. Die Handschrift von Trainer Werner Frank war unschwer zu erkennen. Seine Schwerpunkte lagen auf der Schulung von Kondition und Disziplin.
Mit Harald Frings trat ein Trainer der neuen Art an, die man bis dahin in unserer Fußballregion weit und breit nicht kannte. Er verstand es durch seine Begeisterung und Motivation der Mannschaft noch einmal neue Impulse zu geben. Seine unkonventionellen Trainingsmethoden sind bis heute unvergessen: Bergläufe und Sprinttraining mit Holzstämmen gehörte ebenso zum Programm wie gemeinsame Saunabesuche und Häppchenessen im Schwimmbad. Er entfachte neue Begeisterung, die sowohl beim Team als auch den Zuschauern gut ankam. Und bei allem Ehrgeiz: Auch die dritten Halbzeiten hatten es in sich - was natürlich bei der Mannschaft ebenfalls gut ankam. Die Ergebnisse gaben ihm Recht: Unter seiner Regie wurde der SV einmal Zweiter, einmal Vierter in der B-Klasse.
Zudem sind die Erfolge bei den Stadtmeisterschaften herauszustreichen. Bei dem prestigeträchtigen Wettbewerb, der unter allen teilnehmenden Teams hoch angesehen war, und bei dem daher niemand dem anderen kampflos das Feld überließ, wurde der SV fünf Mal hintereinander Stadtmeister: Von 1982 bis 1986. Mittendrin (1983) schmiss Trainer Frings für alle überraschend das Handtuch und wechselte zum Ligakonkurrenten SG Stadtfeld.
Anfang der Saison 1983/84 übernahm Wolfgang Böffgen, ein wiederum ganz anderer Trainertyp, die Mannschaft. Dennoch: Seine besonnene und ruhige Art sowie sein unbestrittener Fußballsachverstand brachte die Mannschaft vor allem im taktischen Verständnis einen weiteren Schritt voran. Auch zahlte sich rasch sein intensives Lauftraining fast ausschließlich mit dem Ball aus: Das Team agierte immer ballsicherer, die Laufwege wurden effektiver. Ergebnis war die Vizemeisterschaft, doch schon ein Jahr später folgte der lang ersehnte Aufstieg in die A-Klasse. Unter dem Motto "Wenn es am schönsten ist, sollte man gehen" verließ Meistermacher Böffgen den Verein - aus privaten Gründen.
In der A-Klasse kam in der Saison 1985/86 mit Herbert Kolle wiederum ein neuer Trainer.
Die Vorbereitungsphasen sind bis heute ebenfalls unvergessen. Und nicht jeder Spieler verbindet sie mit Glücksgefühlen, denn Kolle arbeitete nach der Maxime: Fußball ist zunächst einmal ein Laufspiel! Von seinen Trainingswochenenden mit gemeinsamen Frühstück und drei Trainingseinheiten am Tag, die ebenfalls für die Mannschaft Neuland waren, wird jedoch berichtet, dass hin und wieder auch Bälle im Spiel gewesen sein sollen. Immerhin! Trotz der Strapazen: Der Mannschaft hat das Training unter Kolle einen Heidenspaß gemacht. Konditionell topfit wie nie ging das Aufsteiger-Team in die erste A-Klassen-Saison (1985/86) - und schloss sie mit einem beachtlichen 6. Platz ab. Doch damit nicht genug: In der Folgesaison wurde der SV unter Kolle sensationell Tabellenzweiter. Danach gab der Trainer auf und widmete sich seinem Hausbau.
Die Vereinsführung reagierte und holten den ehemaligen Trainer Wolfgang Böffgen zurück. In den nächsten zwei Spielzeiten bestätigte das konditionsstarke und mittlerweile erfahrene A-Klasse-Team jeweils die Vizemeisterschaft, jeweils den Titelgewinn in greifbarer Nähe: 1988 nahm die Mannschaft an der Relegationsrunde teil und verpasste letztlich aufgrund des schlechteren Torverhältnisses den Aufstieg in die Bezirksliga. Schlüsselspiel war die Partie beim SV Altendietz, in der der SV bereits 2:0 führte und wie der sichere Sieger aussah, doch durch merkwürdige Schiedsrichterentscheidungen kurz vor Schluss noch den Ausgleich hinnehmen musste. Da alle Relegationsteams Unentschieden gegeneinander spielten (der SV kam gegen Polch nicht über ein 0:0 hinaus), stieg Altendietz aufgrund des besseren Torverhältnisses auf. Ein Jahr später wurden der SV und der TuS Ahbach punktgleich Zweiter und musten ein Entscheidungsspiel um den Einzug in die Relegationsrunde austragen. Das Spiel ging mit 0:2 verloren.
1989 übernahm der renommierte Trainer Josef Welter aus Lutzerath den SV. Gleich zu Beginn formulierte er unmissverständlich das Saisonziel: Meisterschaft! Alles andere kam für ihn nach drei zweiten Plätzen nicht in Frage. Durch seinen Optimismus und seine motivierende Art ist es der Mannschaft auch gelungen, spielerisch die gesamte Saison zu überzeugen und verdient Meister der A-Klasse zu werden. Die legendären Meisterschaftsfeiern sind bis heute unvergessen. Klargemacht wurde alles beim vorletzten Spiel in Ferschweiler, die Heimfahrt mit zahlreichen Anhängern wurde zur Jubelarie. Mit wehenden Fahnen ging es durch Bitburg und Gerolstein, wo auch eine Rast der besonderen Art eingelegt wurde. Selbstverständlich ging es auch bei der offiziellen Feier im Bürgersaal in Neunkirchen hoch her.
Am Erfolg nahmen auch die vielen Zuschauer teil, die der SV damals hatte. Heimspiele mit mehr als 200 Zuschauern waren keine Seltenheit, und auch zu Auswärtsspielen kamen oft 50 Anhänger mit. Das ganze Umfeld hatte entscheidenden Anteil am Erfolg. Das ganze Pützbachtal stand hinter dem Team und war stolz auf die Jungs, und als Spieler hatte man nie auch nur ein einziges Bier aus der eigenen Tasche zu bezahlen.
Der setzte sich auch in der Bezirksligasaison (1990/91) fort, in die der SV mit einem Unentschieden und drei Siegen startete. Doch der Einbruch folgte auf den Fuß - vor allem wegen der dünnen Spielerdecke. Besonders schmerzte der Entschluss von Goalgetter Bernd Meyer, nach der A-Klasse-Meisterschaft seine Laufbahn zu beenden. So fehlte der Mannschaft die notwendige Durchschlagskraft in der Offensive. Hinzu kamen Verletzungen weiterer Leistungsträger und schließlich ließ die Mannschaft in entscheidenden Situationen den Willen vermissen, sich gegen den Abstieg zu stemmen. So ging es nur noch in eine Richtung: Bergab. Das letzte Aufbäumen, das dem Team dann doch noch gelang, kam zu spät. Letztlich half auch die Trennung von Josef Welter fünf Spieltage vor Saisonende und die Verpflichtung des Oberliga-erfahrenen Trainers Hans-Günter Müller nichts mehr. Nach nur einer Saison war das Abenteuer Bezirksliga schon wieder vorbei - und doch für alle eine tolle Erfahrung.
Die Zuschauer jedenfalls hielten der Mannschaft weiterhin die Stange, schließlich wussten sie nur zu genau, dass es mit geringen finanziellen Mitteln sehr schwierig sein würde, die Klasse zu halten. In der Folgesaison kam es zu derartigen Spannungen zwischen Trainer und Mannschaft, dass eine Trennung unausweichlich war. Er kam zurück: Wolfgang Böffgen. Unter seiner Führung kehrte wieder Ruhe ein und das Team belegte den achten Platz in der A-Klasse. Dort etablierte sich die Mannschaft - bis zum Ende der Saison 1955/96.




