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WIEDERAUFERSTEHUNG

Wieder zurück in der C-Klasse angekommen, kämpft der SVN um die Rückkehr in die B-Klasse. Im Kreispokal der C-Klassen sorgt die Erste ebenfalls für Furore. Hier wird die Zeit ab 2001 bis 2009 geschildert.

Vorerst kein Wiederaufstieg - oder doch?

Dieser Text stammt aus der Festzeitschrift zum 60-jährigen Vereinsjubiläum aus dem Jahr 2006.

Verfasser: Mario Hübner

„Ja, wir werden Meister, weil wir die spielstärkste Mannschaft in der Liga sind“, sagte Ralf Haas kurz vor dem Start nach der diesjährigen Winterpause voller Optimismus (Anmerkung der Redaktion: Gemeint ist die Winterpause der Saison 2005/2006). Zu diesem Zeitpunkt hatte die Erste des SV Neunkirchen-Steinborn als Tabellenzweiter noch vier Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter aus Kelberg – bei einem Spiel weniger und in der Gewissheit, dass die Kelberger noch in Neunkirchen antreten müssen...

 

Nach den Spielzeiten zuvor jedoch musste der mit 27 Jahren mittlerweile zu den Oldies im Team zählende Stürmer damit rechnen, dass seine Aussage zumindest stark bezweifelt wird. Denn der SV zählte nach seinem Abstieg 2001 zwar stets zu den technisch versiertesten und torgefährlichsten Mannschaften in der C-Klasse, was sich leicht belegen lässt: So stieg der SV in der Saison 2003/04 gar in den elitären Club der „Hunderter“ auf. Doch selbst 109 erzielte Tore reichten weder für den direkten Aufstieg als Meister (der wurde Wallenborn II mit 107 Toren), noch über die Relegation als Zweiter.

 

So blieb drei Spielzeiten hintereinander (2001/02; 2002/03; 2003/04) nur der dritte Platz. Und der bedeutete jeweils: kein Aufstieg, nicht einmal Relegation. Das sorgte für Enttäuschung und Ernüchterung im Verein und unter den Zuschauern. Denn auch das „Dann eben im nächsten Jahr“ nutzte sich auf Dauer ab. Und nach einer katastrophalen Saison 2004/05 mit einem Abschluss im Tabellenkeller (10. von 12 Teams), Derbyniederlagen gegen Neroth und vor allem Waldkönigen (0:5) sowie dem Rausschmiss von Trainer Holger Esper, der das Team nach dem Abstieg übernommen hatte, war an den Aufstieg vorerst kein Gedanke mehr zu verschwenden.

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Kurzer Einschub zum Text von Mario:

 

Auf der Neunkirchener Kappensitzung fassten Rumpelpitter und Rumpelpaul diese katastrophale Saison wie folgt zusammen:

Oh tun mir die Augen weh,

wenn ich Sonntags auf den Sportplatz geh.

Dort kickt eine Mannschaft, Erste genannt,

nur was die spielen ist mir unbekannt.

Den Fußball kenn ich von zu Haus,

da sieht eher wie mach ich mich lächerlich aus.

Die Krönung war im Waldköniger Land,

dort musste man sich schämen, wenn man als Neunkirchener wurde erkannt.

In der Struth wird sich um den Ball vom Elfmeter gezankt,

dann werden die ganz erbärmlich verknallt.

In Feusdorf wurd es einem vom Zuschauen schlecht,

wenigstens das Ergebnis 0:4 war gerecht.

Der Beispiele gas für wahr,

noch einige im letzten Jahr.

Doch oh weh, es ist viertel nach vier,

das Spiel vorbei, vor sich 'ne Kiste Bier.

Dann sind die meisten wieder munter,

und reden frei von der Seele runter.

Wie Dienstags nach dem Training war der Sex,

mit der Freundin der g*** Hex.

Auch wird geschwafelt wie gut man doch ist,

eigentlich müsste man sein Bezirksligist.

Leute, es sagt euch der Wicht,

die Tabelle der C-Klasse lügt halt nicht.

Ob die Lösung jetzt ist Trainer Nummer vier,

vielleicht wär 'ne Kindergärtnerin besser - sage ich mir.

Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelpitter heiß!

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Schließlich sollte darüber hinaus nachwirken, dass weitere Leistungsträger ihre Laufbahn endgültig beendeten (u.a. Siggi Kees und Harald Leyer), den Verein verließen oder sich schwer verletzten (Ralf Haas). Allesamt keine Anzeichen dafür, dass die Mannschaft künftig endlich die so oft vermisste Konstanz zeigen wird. „Mangelnde Konstanz“ und „die fehlende Abgebrühtheit, auch in brenzligen Situationen die Ruhe zu bewahren“ sind denn auch für Team-Senior Haas die Gründe dafür, dass der SV nicht das tut, wozu er seiner Meinung nach  fähig ist: „In der B-Klasse eine gute Rolle spielen.“   

 

Dennoch: So nah dran am Aufstieg wie in diesem Jahr war das Team in der Tat noch nie. Zum einen deswegen, weil die Erste trotz mehrmaliger Verjüngungskur – unter anderem durch starke Zugänge – unter der Leitung des Oberliga-erfahrenen Trainers Sebastian Weber weiter an Qualität zugelegt und dazu gelernt hat, zum anderen, weil in dieser Saison erstmals keine Mannschaft die Liga dominiert. Denn die Kelberger sind bei weitem nicht mit der SG Wallenborn II mit ihrem Traumsturm oder der SG Alfbachtal II mit ihrem breiten Kader an guten Spielern zu vergleichen. Durch erneut unerwartete Punktverluste gegen vermeintlich schwächere Teams schien die Meisterschaft bereits gelaufen. Doch plötzlich zeigten auch die Kelberger und machten es wieder spannend...

 

Haas’ ebenso vollmundige Aussage „Und den Pokal holen wir auch“ hingegen dürften da schon mehr Anhänger Glauben schenken. Denn ungeachtet vieler schwacher und mittelmäßiger Leistungen, und der Tatsache, dass die vergangenen Spielzeiten fehlende Konstanz die einzige Konstante der Ersten war, sorgte sie im Pokal mehrfach für Furore: Direkt im Jahr eins nach dem Abstieg, in der Saison 2001/02, Kreispokalsieger der C-Ligisten dank eines 7:4 gegen Nussbaum und dann im Jahr drauf gar eine Wiederholung des Erfolgs – durch eine besonders beachtliche Leistung, die eindrucksvoll unter Beweis stellte, welches Potenzial wirklich in der Mannschaft schlummerte: Im Endspiel besiegte die Erste nach großem Kampf und durchaus verdient die Übermannschaft der mit Bezirksliga-Akteuren verstärkten SG Alfbachtal II (2:1), der sie in der Runde rein gar nichts entgegen zu setzen hatte.

 

Dass solche Erfolge in den ersten beiden Jahren nach dem ebenso traurigen wie unnötigen Abstieg aus der B-Klasse überhaupt zu verzeichnen waren, ist umso höher zu bewerten, als dass der SV lange Zeit ohne jegliche Perspektive dastand: Abstieg, Laufbahnende mehrerer Leistungsträger, folglich eine Mannschaft in totalem Umbruch, ein extrem dünner Kader, kein Trainer. Denn Günter Willems hatte bereits im Vorfeld aus familiären Gründen das Ende seiner Tätigkeit bekannt gegeben, als Spieler jedoch noch eine Zeitlang ausgeholfen.

 

SV Geschäftsführer und Spieler Siggi Kees erinnert sich: „Direkt nach dem Abstieg sah es ganz, ganz düster aus. Wir haben von gut einem halben Dutzend Trainern eine Absage erhalten, bis auf einmal im Vorstand jemand davon gehört hat, dass Holger Esper am Traineramt Interesse hat. Und den kannten wir ja noch als Gegenspieler.“ Damit war ein Problem gelöst, das des dünnen Kaders aber immer noch nicht. Hoffnung bot der Zugang von Sebastian Reichertz und „dem ersten Schwung Dauner A-Jugendlicher“ – und zwar solcher, die nicht einmal aus dem Pützbachtal stammten, und mit denen daher gar nicht zu rechnen war. „So kamen die ersten  Jungen, und die haben nach und nach weitere nachgezogen“, sagt Siggi Kees mit Blick aufs aktuelle Team. Rückblickend meint er aber auch: „Abgemeldet hätten wir auf keinen Fall, sondern vielmehr versucht, die Alten Herren einzuspannen.“

 

Von denen spielt heute der ein oder andere auch noch um Punkte – aber in der zweiten Mannschaft. Denn die gibt es nach langen Jahren erstmals wieder beim SV Neunkirchen-Steinborn. Nachdem bereits zu Beginn der Saison 2002/03 erstmals diesbezügliche Gedanken im Verein aufkamen, wurde das Vorhaben zur aktuellen Saison, also drei Jahre später, in die Tat umgesetzt. Gleichzeitig wurde dem Fusionsansinnen der DJK Waldkönigen eine Absage erteilt.

 

Grund für die Überlegungen eine zweite Mannschaft ins Leben zu rufen, waren der anzunehmende große Kader von weit mehr als 30 Aktiven sowie die starke Jugendarbeit beim SV. Die sollte nach Ansicht der Verantwortlichen einerseits sicher stellen, dass auch künftig genügend Nachwuchs für die Seniorenmannschaften da ist, andererseits sollte den Jungs, die nicht auf Anhieb den Sprung in die „Erste“ schaffen, auch ermöglicht werden, Fußball zu spielen – und zwar beim SV.

 

„Es gibt keine Alternative zur zweiten Mannschaft, sie soll und sie muss fortbestehen“, sagt der Trainer der „Zweiten“ und SV-Vorzeigefußballer Klaus Kees (50), der selbst noch mitspielt und seine Jungs nicht selten in Staunen versetzt. Er begründet: „Die Zweite bietet vielen jungen Spielern, auf die der SV stets großen Wert gelegt hat, die Möglichkeit, die Freude am Fußball zu bewahren und sie so weiterhin an den Verein zu binden.“ Am meisten freut ihn, „dass wir in der Mannschaft eine gute Stimmung haben und es allen sichtlich Spaß macht, bei uns mitzuspielen“. Und das sind viele: 33 Spieler zwischen 18 und 50 Jahren sind bereits in dieser Saison eingesetzt worden und dennoch hat es nach Worten des Trainers „in unserem Vielvölkergemisch bislang recht gut funktioniert“. Das gilt sowohl sportlich als auch menschlich. Der fünfte Tabellenplatz sowie der Umstand, dass die Integration von Erstmannschafts- wie AH-Spielern gleichermaßen reibungslos funktionierte, sorgen für Zuversicht selbst unter den anfänglichen Kritikern.

Auch Frank Kremer, Kapitän der „Zweiten“ ist angetan. Er sagt: „Es macht großen Spaß und die Stimmung in der Mannschaft ist gut. Meine anfängliche Skepsis, dass wir Personalprobleme bekommen oder die Integration nicht funktioniert, hat sich nicht bestätigt.“ Kritik übt der Kapitän aber an der schwachen Trainingsbeteiligung, Trainer Kees wiederum findet es schade, dass die Mannschaft „noch keine eigene Identität“ entwickelt hat, was er aber mit der hohen Personalfluktuation erklärt. Kees sieht sich als Trainer jedoch lediglich als „Übergangslösung“, da er zudem noch eine Jugendmannschaft leitet. Er sagt: „Ich möchte auf jeden Fall, dass das Projekt Zweite erst einmal ins Rollen kommt.“ Das ist ihm und allen anderen daran Beteiligten gelungen.  

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​Anmerkung der Redaktion: Hier endet der Text aus der Festzeitschrift von 2006. Nachfolgende Zeilen stammen aus der Feder von Jürgen Zender, 20 Jahre später, Frühjahr 2026.

​Eingangs wurde von Ralf Haas prognostiziert, dass die Erste im Jahr 2006 Meister wird. Diese Prophezeiung in der Winterpause der Saison 2005/2006 sollte sich bewahrheiten. Tatsächlich schafften unsere Jungs damals den direkten Aufstieg in die B-Klasse! Endlich keine C-Klasse mehr! Und kleiner Spoiler: Das sollte sich bis zum heutigen Tag für die erste Mannschaft auch nicht mehr ändern. Allerdings behielt Ralf mit seiner zweiten Ankündigung, den Pokal ebenfalls nach Neunkirchen zu holen, leider kein Recht. Im Viertelfinale zog man zuhause mit 1:2 gegen die SG Gilzem den kürzeren. Den nächsten Pott sollte dann erst Jahre später die Zweite wieder nach Neunkirchen holen. Dazu aber in einem späteren Artikel mehr.

Zurück zum Meisterstück: In Kirchweiler verteidigte man am letzten Spieltag mit einem 2:3 Auswärtssieg die Tabellenführung vor der DJK Kelberg, die in der Endabrechnung 3 Punkte hinter uns gelandet ist. Die Jubelarien kannten keine Grenzen mehr!

In der ersten B-Klassen Saison etablierte man sich direkt: Hier zahlte sich mit Sicherheit die Qualität der höherklassig erfahrenen Kutscheid-Brüder Stefan und Thorsten oder bspw. auch eines Dennis Kauth aus, um an dieser Stelle nur einige Schlüsselspieler zu nennen. Auch Jan "Basso" Mayer zählte als Eigengewächs bereits zur Aufstiegsmannschaft und brachte zu der Zeit als knallharter Manndecker zusammen mit Daniel Weber, nicht minder zweikampfstark, so manchen Stürmer in der B-Klasse zum verzweifeln. Beide Verteidiger sollten als fester Bestandteil die nächsten eineinhalb Dekaden unserer Ersten prägen.

Als Endergebnis in der ersten Saison stand ein beachtlicher 5. Platz. Meistermacher Sebastian Weber beendete nach dieser Saison allerdings seine Trainertätigkeit beim SVN.

Ihm sollte auf der Kommandobrücke ein erfahrener Coach folgen, der die Begierlichkeiten im Umfeld hinsichtlich eines A-Klassen-Aufstiegs weckte. Diese neue Selbstverständlichkeit im Pützbachtal reifte unter den Umständen, dass sich eine starke Mannschaft aus externen Neuzugängen und Eigengewächsen aus der Jugend geformt hatte. Das Experiment sollte allerdings scheitern. Nach einem furiosen Start mit 6 Punkten aus zwei Spielen ließ die Erste immer mehr federn. Am Ende stand ein ernüchternder 7. Platz - die Wege von Drückes und SVN trennten sich wieder.

In dieser Zeit wurde die Basis für kommende Erfolge gelegt. Der Weg nach oben sollte für den SVN nicht enden. Dazu im nächsten Beitrag mehr.

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